Montessori Kinderhaus / Kindergarten St. Pius Waldfenster - Burkardroth
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Das Geheimnis des Materials

„Hilf mir, Schwierigkeiten zu überwinden. Ich will ihnen nicht ausweichen.“

Das Geheimnis des Montessori-Materials ist nicht nur in ihm verborgen, sondern es lüftet sich nur, wenn wir auch den Kontext betrachten, in dem es den Kindern angeboten wird. Das ist die „vorbereitete Umgebung“. Und zu dieser vorbereiteten Umgebung gehört neben der respektvollen Erzieherin und den vielfältigen Materialien als erstes und vielleicht wichtigstes das Prinzip der "freien Wahl der Arbeit".

Zunächst zu den Materialien:
Im Gegensatz zu vielen anderen Spielsachen sehen die Montessori – Materialien auf den ersten Blick meist eher unscheinbar aus. Keine knallbunten Farben, keine leuchtenden Plastikflächen, sondern sehr solide gearbeitete Gegenstände. Die Materialien sind meist aus Holz gearbeitet oder anderen natürlichen Stoffen. Durch ganz bewusst schöne und ansprechende Gegenstände, die auch kaputt gehen können, lernt das Kind sorgfältig und behutsam damit umzugehen. Meist erhalten Kinder heute zum Spielen Plastikgeschirr oder andere Materialien, welche sie nicht so leicht beschädigen können. Aber gerade ein zerbrochener Porzellanteller ist für das Kind ein möglicher Weg zu lernen, mit dem Material behutsam umzugehen.
Im Gegensatz zu anderen Spielsachen ist das Montessori – Material nicht so vielseitig. Jedes Material vermittelt einen einzigen Lernschritt.

In diesem Zusammenhang lässt sich verstehen, warum Montessori die Sinnesmaterialien auch „materialisierte Abstraktion“ nennt. Als Beispiele seien genannt:

Die Eigenschaft des Gewichts und ihre „Materialisierung“ in den Gewichtstäfelchen; Rauheit und Glätte und ihre Konkretisierung in Brettchen mit abgestufter Oberflächenbeschaffenheit zwischen den Extremen rauh und glatt; Farbe und ihre Umsetzung in Anschauungs- und Vergleichsmöglichkeiten an Farbtäfelchen.

Maria Montessori bezeichnet ihr Material nicht als Lehrmittel, die die Lehrer benutzen, um dem Kind Sachverhalte näherzubringen oder zu veranschaulichen. Es ist vielmehr Material für die Hand des Kindes, das mit diesem „Schlüssel“ die Welt erschließen lernt. Sie hebt hier zwei Aspekte hervor, die Bedeutung des Materials für die Entwicklung der Bewegung und die Entwicklung der Sinne. Die Dinge, welche das Kind in seiner erzieherisch gestalteten Umwelt umgeben, mit denen es Erfahrungen macht, sollten bestimmte grundlegende Eigenschaften / Prinzipien haben:
  • Die Ästhetik: Das Material wirkt auf das Kind, es zieht es an, fordert es auf, damit zu arbeiten. Es hat eine gewisse „Anziehungskraft“. Das Material ist in den Farben und Formen harmonisch und qualitativ wertvoll. Das Kind lernt so den behutsamen, pfleglichen Umgang mit den Dingen.
  • Die Aktivität: Das Material muss so gestaltet sein, dass es das Kind zum Tätigsein anregt. Es muss spezifische Handlungsmöglichkeiten bieten.
  • Die Begrenzung: Von großer Bedeutung ist die mengenmäßige Begrenzung des Materials. Das Kind erhält eine Struktur, die ihm hilft, Ordnung in seinen Geist und in seine Erfahrungen zu bringen.
  • Die Fehlerkontrolle (Selbstkontrolle): Das Material sollte dem Kind die Möglichkeit bieten, selbst seinen Lernschritt zu überprüfen. Die Fehlerkontrolle erlaubt es dem Kind, sich selbst einzuschätzen, unabhängig von der Kontrolle und Bewertung von Erwachsenen.
Weiterhin ist wichtig, dass jedes Material nur einmal vorhanden ist. Deshalb müssen die Kinder sich einigen, wenn sie dasselbe Material bearbeiten wollen. Sie können sich abstimmen, dass sie es nacheinander nehmen und aufeinander warten oder aber zusammen arbeiten. Hier entwickelt sich soziales Lernen, ohne vom Erwachsenen gezielt unterrichtet zu werden.

Jedem Kind wird jedes Material, wenn es erstmals damit arbeitet, von uns Erzieherinnen vorgestellt. Bei dieser Einführung lernt das Kind zunächst das Material selbst und dann den richtigen Umgang damit kennen. Begriffe und Namen werden in der „Drei Stufen Lektion“ eingeführt.
Eine solche Einführung soll kurz und einfach sein. Möglichst wenig Worte begleiten unsere Demonstration, so kann das Kind die Handlung konzentriert verfolgen.
Dem Kind wird langsam und deutlich gezeigt, wie man mit dem Material arbeitet.

Die verschiedenen Bereiche der Entwicklungsmaterialien:

Das Sinnesmaterial

„Es ist nichts im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“.

Das Kind nimmt in den ersten drei Jahren unzählige Eindrücke in seiner Umgebung auf. Mit dem Sinnesmaterial hat das Kind die Möglichkeit seinem inneren Bedürfnis nachzugehen und diese Eindrücke geistig zu ordnen und zu strukturieren. Beim Sinnesmaterial wird jeweils ein Sinn isoliert angesprochen und geschult. Es bezieht sich auf taktile Reize, Geschmack, Gerüche, Geräusche und Töne, auf Gewicht, Farben, Formen und Ausdehnungen. Das Kind macht grundlegende Erfahrungen an diesen Materialien. Es lernt Sinnesqualitäten und Materialeigenschaften (rau, glatt, hart, weich,….) kennen und begreifen, es erlebt Ausdehnungen (groß, klein, hoch, tief,…..), und lernt sich sprachlich exakt auszudrücken. Selbst abstrakte Begriffe werden für das Kind fassbar. Das Kind erlernt basale Arbeitsweisen (Ordnen, Sortieren, Reihen, ….) und Handlungsstrukturen.
Maria Montessori bezeichnet das Sinnesmaterial als

„Schlüssel zur Welt“

Nicht zuletzt vermittelt das Sinnesmaterial Kenntnisse wie Farbe, Form, Größe, Raum-Lage-Beziehung. Das Kind paart, reiht, ordnet, vergleicht mit dem Material und wird somit direkt auf die Mathematik, auf das Lesen und Schreiben vorbereitet.

Übungen des täglichen Lebens

„Die Hand ist das Werkzeug seiner Intelligenz.“ Maria Montessori
Wenn ein Kind zu krabbeln beginnt, erkundet es den Raum und erforscht seine Umwelt. Es be – greift die Dinge und will wissen, wie sie funktionieren. Mit zunehmendem Alter dringt es weiter in seine Umgebung vor, lernt sich in Raum und Zeit zu orientieren und erlebt sich mehr und mehr als soziales Wesen.Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, dem Kind diese Erfahrungen zu ermöglichen.

„Hilf mir, es selbst zu tun.“ Maria Montessori

Die Übungen des täglichen Lebens helfen dem Kind bei der Erschließung der Umwelt und tragen somit wesentlich zu seiner Entwicklung bei. Das Kind lernt, seine Bewegungsabläufe zu koordinieren und zielgerichtet einzusetzen. Komplexe Vorgänge werden für das Kind durchschaubarer und nachvollziehbar. Das Kind erlernt dadurch Handlungskompetenz. Es lernt Aufgaben zu übernehmen und entwickelt dadurch Verantwortungsbewusstsein. Es wird zunehmend selbständiger und unabhängiger vom Erwachsenen.

Das Sprachmaterial

Die Sprache ist die Basis für jedes soziale Miteinander. Da die Sprache nicht angeboren ist, muss sie erst erworben werden. Die Entwicklung der Sprache beginnt schon kurz nach der Geburt. Das Gehör, der Geschmack- und Geruchsinn und die Mundmotorik, sowie ein Vorbild mit einer guten, deutlichen Ausdrucksweise spielen beim Erwerb der Sprache eine wichtige Rolle.Das Sprachmaterial beginnt mit den „Wortschatzerweiterungsgegenständen und –karten“. Vorlesen von Geschichten, Bilderbüchern, das Lernen von Versen, Abzählreimen, Gedichten und Liedern bereichern zusätzlich den Wortschatz.

Hat das Kind einen großen, differenzierten Wortschatz erlangt, kann es seine Gedanken in Worte fassen, die verschiedenen Laute in einem Wort analysieren und hat eine klare Vorstellung vom Inhalt. Es lernt seine Sprache auf schriftliche Weise auszudrücken. Es kommt zur „Explosion des Schreibens“. Erst einige Zeit später kommt das Kind zum abstrakten Schritt des Lesens.

Das Mathematikmaterial

Beim Umgang mit dem Sinnesmaterial erwirbt das Kind bereits eine Reihe von mathematischen Grunderfahrungen und gewinnt eine Vorstellung von Größen, Formen und Beziehungen. Darauf baut das Mathematikmaterial auf. Das Kind bekommt durch das Ertasten der Zahlen eine „Vorstellung“ von der Zahl. In einem späteren Zeitraum werden durch Tasten der Sandpapierziffern die Ziffern durch die Schreibbewegung erfahren.

Mit Hilfe von Perlen begreift das Kind das Dezimalsystem und die Grundoperationen wie z.B. Addition, Subtraktion.Durch das Begreifen von Mengen, Zahlenreihenfolgen und Grundoperationen wird Dyskalkulie (Rechenschwäche) vorgebeugt.

Nicht allein das Angebot von Material, das Bereitstellen einer vorbereiteten Umgebung macht die Erziehungsqualität aus. Es sind die Menschen, die in dieser vorbereiteten Umgebung miteinander leben und lernen, die sich gegenseitig achten und respektieren.





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